Fian
Deepwave
Lovis
Impressum





Medienservice


  Segeltour auf der Ostsee gegen Proteinpiraten
  Vom 7. bis zum 16. Juli 2006                                           schiff


                  Home          


Inhalt Pressemappe

01 Was sind Shrimps? Dr. Onno Groß
02 Aquafarming - Einführung in ein Auslaufmodell Martina Möller
03 Zahlen, Zahlen, Zahlen Natalie Berghahn
04    Die Blaue Revolution frisst ihre Kinder Natalie Berghahn
05 Mit IWF und Weltbank blauäugig in die Schuldenfalle Dr. Jürgen Stahn
06    Shrimps machen Hunger Martina Möller
07    Hunger durch Arbeitsplätze Natalie Berghahn
08 Menschenrechte - im Zuchtbecken versenkt Natalie Berghahn
09 Die Situation der Frauen Dr. Jürgen Stahn
10 Mangroven - Kinderstuben der tropischen Meere Heike Sidowitz
11 Der Ausverkauf der Mangroven Dr. Onno Groß
12 Garnelen entwurzeln Indiens Küsten Dr. Onno Groß
13 Shrimpszucht in Lateinamerika - ein Überblick Martina Möller
14 Länderbeispiel Ecuador Martina Möller
15 Shrimps öko - Mensch verhungert Natalie Berghahn
16 Bio-Shrimps - Profit durch ökologische Standards Dr. Onno Groß
17 Wenig Kenntnis über Chemikalien in der Aquakultur Dr. Norbert Reintjes
18 Sind wir nicht alle etwas Shrimps? Herb Buchlowski
19 Bis zum letzten Hering... Dr. Onno Groß
20 Stop the Pirates! Dr. Onno Grofl



shrimps







Was sind Shrimps?

Von Dr. Onno Groß


Die unter dem Sammelnamen „Shrimps“ bekannten Garnelen zählen zu den Krustentieren (Crustacea). Garnelen sind mit langen Fühlern versehene, zehnfüßige so genannte Langschwanzkrebse. Sie haben hornartige, biegsame Körperbedeckungen (Panzer), große, die Stiele der äußeren Fühler überragende Schuppen und in einer Linie eingelenkten Fühlhörner. Der Lebensraum der etwa 2000 verschiedenen Arten bekannten Garnelenarten sind sowohl das Salz- als auch Süß- und Brackwasser. Im Vergleich zu den Panzerkrebsen sind die Garnelen gute Schwimmer (deswegen auch die Unterordnung Natantia, die „Schwimmenden“). Sie finden sich jedoch oft auf dem Meeresgrund, um sich zum Schutz vor Fressfeinden in den Sand einzugraben oder auf ihren Schreibeinen herumzulaufen.

Die kleineren Garnelen werden handelsüblich als Shrimps oder Prawns bezeichnet. Um kleinere Shrimps handelt es sich, wenn 200 Tiere benötigt werden, um 1 kg aufzuwiegen. Weltweit ist die Namensgebung der Tiere nicht einheitlich und verwirrend. Für sehr große Garnelen haben sich die Bezeichnungen „Tiger Prawns“, „Tigergarnelen“, „Kaisergrante“ und „Scampi“ eingebürgert.

Bei den Tigergarnelen handelt es sich zumeist um die Art Penaeus monodon, die etwa 60 % des Weltmarktes ausmacht. Diese Art wird in den tropischen Zuchtbecken mit Besatzdichten von bis zu 100 Tieren pro Quadratmeter gehältert. Andere genutzte Arten sind Penaeus vannemei (Western White Shrimp; 16 % Anteil), P. japonicus, P. chinensis/orientalis usw.

Unsere heimische Nordseegarnele (oder Nordsee-Krabbe oder Granat) heißt wissenschaftlich Crangon crangon. Tiefseegarnelen sind zumeist die Arten Palaemon serratus oder Pandalus borealis, die im Nordatlantik gefangen werden. Die Languste - oder Stachelhummer - Palinurus vulgaris ist in Amerika und Pazifik zu finden. Der Hummer (Homarus gammarus) lebt dagegen in bis zu 40 Meter Tiefe in der Nordsee.

Als Tipp, um beim Einkauf rasch einen Überblick zu bekommen, kann man danach gehen, dass der abgeschälte Garnelenschwanz immer höher als breit ist, der Schwanz von Krebsen wie Scampi und Hummern eher rund oder sogar breiter als hoch ist. Garnelen werden vor allem als Tiefkühlfertigware mit 6-10 Tieren pro Packung angeboten, etikettiert als Cocktail-Garnelen, Grillspieße oder als so genannte Garnelenkränze. Die Tiere, die man für gewöhnlich in einem „Krabbencocktail“ findet, sind eigentlich Garnelen. Hier tritt also schon die erste und am weitesten verbreitete Namensverwechslung auf. Diese Garnelen werden von den Fischern auch oft als „Granat“ bezeichnet.

Quelle: „Was sind Shrimps“ http://www.greenpeace.at/meer_shrimps.html


gegen

Top







Aquafarming – Einführung in ein Auslaufmodell

von Martina Möller


                                                                    aquafarming
1. Das Mangroven-Ökosystem Funktionen der Mangroven:

•    Lebensgrundlage der Küstenbevölkerung
•    Entsalzung und Filterung des Wassers, so dass es für die Landwirtschaft brauchbar wird
•    Schutz vor Bodenerosion und vor Sturmfluten (Tsunamis)
•    Klimaschutz, als CO2-Senke
•    Kinderstube sehr vieler Meerestiere (laut Inge Altemeier verbringen 75% der weltweit vermarkteten Fische einen Teil ihres Lebens in den Mangroven)
•    Schlammfilter – bei Abholzung zerstört der ausgeschwemmte Schlamm die Korallenriffe


Weltweit ist heute mehr als die Hälfte des natürlichen Mangrovengürtels der Küsten zerstört, der größte Einzelverursacher ist die Shrimps-Aquakultur, welche die Brackwasserzonen für ihre Produktion nutzt. Die Prozentzahlen schwanken je nach Art der Studie (zw. 20 und 65), in einzelnen Ländern liegt der Mangrovenverlust schon bei über 80%,  z.B. in Vietnam.

2. Warum Zuchtshrimps?


Da die Fischbestände weltweit zurückgehen, sollte die so genannte „Blaue Revolution“, die Einführung von Aquakulturen im großen Stil, die Bestände entlasten. Als eine Lösung für das Welthungerproblem werden die Shrimpsfarmen noch heute von der FAO propagiert und finanziert (z. B. durch die Weltbank, in Deutschland unterstützt auch die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit GTZ die Projekte).

3. Die Shrimpsfarmen Folgen für die Umwelt:

•    Abholzung der Mangroven
•    Verseuchung von Böden und Gewässern
•    Zerstörung von Lebensraum für Fische und andere Lebewesen
•    Versalzung von Brunnen und Böden
•    Verlust des Flutschutzes (bei Sturmfluten und Tsunamis)
•    Enormer Fischmehlverbrauch
•    Nach ca. acht Jahren müssen die Becken aufgegeben werden, weil die Chemikalien- und Bakterienkonzentration im Boden zu hoch wird und Krankheiten ausbrechen, die nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden können. Dies führt zu einem unstillbaren Hunger an Flächen.

Folgen für die Bevölkerung:

•    Anwohnern wird der Zugang zu Trinkwasser und Fanggründen versperrt
•    Ihre Ressourcen werden vernichtet
•    Wasserstände sinken, dadurch kommt es zur Erschöpfung von Quellen
•    Resistenzbildung gegen Antibiotika, bestimmte Krankheiten können nicht mehr behandelt werden
•    Die Ernährungssituation verschlechtert sich rapide
•    Verarmung der Bevölkerung, Vertreibung und kulturelle Entwurzelung
•    Die wirtschaftliche Macht konzentriert sich durch die Privatisierung der zuvor öffentlich nutzbaren Flächen in wenigen Händen
•    Zunahme von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, sozialer Unfrieden in den Gebieten.


Die Mangroven sind fast überall gesetzlich unter Schutz gestellt – so ist es z.B. in Ecuador schon seit den 70er-Jahren verboten, Mangroven abzuholzen, 1991 wurde das Verbot erneut bestätigt. Dennoch wird ständig weiter abgeholzt. Die Unternehmen missachten häufig die nationalen Gesetze, die meisten besitzen keine Betriebsgenehmigung und/oder haben die dafür erforderlichen Studien (Umweltverträglichkeitsstudie etc.) nie durchgeführt. Kaum eines der großen Unternehmen zahlt Steuern, der Beitrag zum Bruttosozialprodukt der Produktionsländer ist äußerst gering. Da sie sehr krisenanfällig sind (Tierseuchen, Marktpreisschwankungen), bitten sie immer wieder um staatliche Subventionierungsgelder. Die Gewinne gehen – wie die Produkte – überwiegend ins Ausland, im Inland verdient allerdings eine kleine Elite recht gut dabei.

5. Schlagwort: Arbeitsplätze

Die Shrimpsindustrie wirbt mit Arbeitsplätzen und Investitionen in die örtliche Infrastruktur. Letzteres ist meist ein leeres Versprechen, zu den Arbeitsplätzen muss man sagen, dass sie weit mehr vernichtet als neu schafft, denn:

•    „Ein Hektar Mangrovenwald ernährt zehn Familien, eine Shrimpsfarm von ca. 200-500 ha jedoch nur ihren Besitzer, ca. sechs feste und sechs Saisonarbeitskräfte“, sagt Marianeli Torres von der ecuadorianischen Umweltorganisation Fundecol

•   Dazu kommen Arbeitsplätze für bewaffnete Wachleute: „Eine Farm mittlerer Größe beschäftigt 15 Arbeiter, 50 Sicherheitskräfte, vertreibt 50.000 Menschen aus ihrem angestammten Lebensraum und ruiniert den traditionellen Fischfang“ (Vandana Shiva über Shrimpszucht in Indien).

6. Die Öko-Zertifizierung


Ökologische Zucht ist extensive Zucht, es werden also auf gleicher Fläche viel weniger Tiere gehalten, um so Stress und Krankheiten zu reduzieren. Eine Ökozucht, die auch nur annähernd die momentane Nachfrage nach Shrimps befriedigen könnte, müsste ein Vielfaches der Fläche verbrauchen, die bereits geopfert wurde – was unmöglich ist. Kritikpunkte wären also z.B.:

•    Es werden Flächen verbraucht, die für die Produktion von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung dringend benötigt werden (Landwirtschaft, aber in diesem Fall eben auch: intakte Ökosysteme).
•    Es verdienen zwar einige an den Farmen, die Bevölkerung bleibt aber außen vor. Auch an Entscheidungsprozessen wird sie nicht beteiligt.
•    Das Produkt wird exportiert, obwohl die örtliche Bevölkerung dieses Eiweiß viel nötiger braucht.


Auch die Ökoproduktion geht also an den Bedürfnissen der örtlichen Bevölkerung vorbei, sie fördert dort keine Entwicklung, verbessert auch kaum die Lage der Einheimischen, sondern sie ist ein Luxus, den sich der reiche Norden leistet, um die Gesundheit der Verbraucher zu schützen.

----------------------------------------------------------------------
Quellen: Inge Altemeier: “Das Meer trägt keine Früchte mehr – das gestohlene Protein” und eigene Interview-  und Vortragsnotizen von Marianeli Torres (fundecol, Ecuador), sowie einige Anmerkungen aus der Studie „From Wetlands to Wastelands“ von der Environmental Justice Foundation (EJF).



gegen

Top







Zahlen, Zahlen, Zahlen

Von Natalie Berghahn


deadmangroveJede(r) Deutsche verzehrt durchschnittlich 13,5 kg Fisch bzw. Fischereierzeugnisse pro Jahr.

Weltweit liegt der durchschnittliche Konsum bei 16,5 kg pro Jahr.

Das deutsche Gesamtaufkommen von Fisch und Fischereierzeugnissen lag 2004 bei 1,92 MillionenTonnen Fanggewicht, davon stammen 290.000 t oder 15% aus der Binnenfischerei. Dagegen wurden 85 %, 1,63 Millionen Tonnen importiert, im Wert von 2,1 Milliarden Euro.

Das Meiste war Seefisch (72,7%), gefolgt von Süßwasserfisch (18,3%) und Krebs- und Weichtieren (9%).

Quelle: Fischinformationszentrum: „Fischwirtschaft Daten und Fakten 2005“

Für den Shrimpskonsum in deutschen Küchen und deutschen Straßenfesten scheint es leider keine aktuellen Zahlen zu geben: Im Jahr 2000 waren es 24.977 Tonnen, inklusive Nordseegarnelen(„Krabben“, „Granat“) und Eismeergarnelen. 14.000 Tonnen wurden aus Drittländern importiert, wobei Thailand mit 4870 t, Indien mit 2314 t und Vietnam mit 1366 t, die bedeutendsten Herkunftsländer waren. Der durchschnittliche Einwohner Deutschlands verzehrt 0,54 kg Shrimps im Jahr, womit er deutlich hinter Franzosen (1,16 kg) und Spaniern (2,26 kg) liegt.

Quelle: Globefish (Fischinfo der FAO)2002

Fanggebiete der deutschen Hochsee-und Küstenfischerei

Die deutsche Fangflotte fischt in der Nordsee, Ostsee, westbritische Gewässern, den nördlichen Azoren, vor Island, der norwegischen Küste, Grönland und den Faröern. In „sonstigen“ nicht näher bezeichneten Fanggebieten landete die deutsche Flotte 2004 immerhin 7000 t an.

Quelle: Fischinformationszentrum: „Fischwirtschaft Daten und Fakten 2005“


Wildfang und Aquakulturen

Laut Angaben der Welternährungsorganisation FAO, waren 2002 47%der weltweiten Fischbestände bis an die Grenze befischt, 18% überfischt und 10% erschöpft. Seit den 90er Jahren stagniert die weltweite Fangmenge bei ca. 90 Millionen t/Jahr, wobei sich diese Zahl wohl auf legal angelandeten Fisch bezieht. Dagegen haben Aquakulturen seit 1976 eine jährliche Zuwachsrate von 9% jährlich. Die Aquakultur gilt als der am schnellsten wachsende Sektor im Lebensmittelbereich, die Farmen befinden sich zu 91% in Entwicklungsländern. Im Jahr 2000 stammten 36,8% aller weltweit konsumierten Fische aus Aquakulturen, für 2020 prognostiziert die FAO einen Anstieg auf 41%.


2003 wurden 54,8 Millionen Tonnen Pflanzen und Tiere im Wert von 67,3 Milliarden US-Dollar produziert, davon rund zwei Drittel in der VR China (aus diesem Grunde raten manche Autoren zur Vorsicht mit diesen Zahlen der FAO, da vermutet wird, dass die offiziellen chinesische Angaben manipuliert sein könnten).
Ein großer Teil, der in Aquakultur produzierten Produkte, sind Algen und vegetarisch lebende Süßwasserfische, besonders aus der Familie der Karpfenartigen, die hauptsächlich der Versorgung einheimischer Märkte dienen. Einen hohen Marktwert haben fleischfressende Salzwasserbewohner, deren Produktion die größten ökologischen und sozialen Probleme bereitet: Shrimps, Lachs und seit neustem auch Thunfisch. Shrimps machten 2003 mit 1,8 Mio. t geernteten Tieren mengenmäßig zwar nur 4,3% der gezüchteten Organismen aus, sorgten aber für 15,2 % des Gewinns, was dem Wert von knapp einem Fünftel der weltweiten Fischexporte entspricht.

Quellen: Web Sites der FAO: www.fao.org und www.globefish.org


Wo der Tiefkühlshrimp geboren wird


Von 1,5 Millionen Tonnen 1976 stieg die Menge gehandelter Shrimps auf 5 Millionen Tonnen im Jahr 2003, davon stammen 25% aus Aquakulturen, Tendenz steigend.


Quelle: www. globefish.org


Hauptproduzenten von tropischen Zuchtshrimps waren 2004 folgende Länder: China (935.944 t), Thailand (390.000 t), Vietnam (275.569 t), Indonesien (238.567 t), Indien (133.020 t), Mexiko(89.037 t), Brasilien (75.904 t), Bangladesh (58.044t), Ecuador (56.300t) und die Philippinen (37.947 t).


Generell schwankt die Shrimpsproduktion von Jahr zu Jahr stark, da wegen Virusinfektionen ständig neue Gebiete erschlossen werden.
Aktuell strebt die Shrimpsindustrie Richtung Afrika, z.B. nach Madagaskar (6243 t) oder Senegal (4508 t).
Quelle: FIGIS, Datenservice der FAO, 2006

Zahlen, die zu denken geben:

weltweit wurden 50% der ursprünglichen Mangrovenwälder vernichtet, die Shrimpsindustrie wird für 38% des Verlustes verantwortlich gemacht (Quelle: www.redmanglar.org, lateinamerikanischen Bündnis zum Schutz der Mangroven) ein Hektar intakter Mangrovenwald ernährt zehn Familien, eine Shrimpsfarm von über 100 Hektar Größe schafft fünf bis sechs schlecht bezahlte Arbeitsplätze (redmanglar) eine thailändische Studie beziffert den ökonomischen Wert eines intakten Mangrovenwaldes auf 1000- 36.000 US-Dollar pro Hektar während der volkswirtschaftliche Wert von Shrimpsfarmen bloß 200 US-Dollar pro Hektar betrage. (zitiert aus Ecological Justice Foundation: „Farming the Sea- unregulated Shrimp farming, the environment and people”) ein Zuchtshrimp braucht das drei- bis vierfache seines Körpergewichts an Fischmehl, bis er ausgewachsen ist in mindestens elf Ländern gab es Tote bei Konflikten um Shrimpsfarmen (Ecological Justice Foundation).


gegen

Top




Die Blaue Revolution frisst ihre Kinder


Von Natalie Berghahn




dryIn den 1980er Jahren lancierten Weltbank und die Welternährungsorganisation (FAO) die sogenannte „Blaue Revolution“. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde die dramatische Überfischung der Weltmeere offenbar. Wie von ihrer ältere Schwester, der „Grünen Revolution“, die in den 1960er Jahren die bäuerliche Landwirtschaft durch Kunstdünger, Pestizide und Rationalisierung der Arbeitsabläufe optimieren sollte, erhoffte sich die FAO mit dieser „Revolution“, den Welthunger zu besiegen. Besonders die Eiweißversorgung der Bevölkerung, sollte durch intensive Aquakultur verbessert werden.

Ob deutscher Karpfenteich oder kleinbäuerliche Shrimpszucht auf einem indischen Reisfeld, seit Jahrhunderten verbessern Menschen ihre Proteinversorgung durch Aquakulturen. Man geht davon aus, dass spätestens 2020 die Hälfte der konsumierten Wasserorganismen aus Aquakulturen stammen wird. Also wurden an den Küsten des Nordens Lachsfarmen errichtet. An den tropischen Küsten holzte man die Mangrovenwälder für Shrimpszuchtbecken ab, die nichts mehr mit der traditionellen „Hinterhof-Aquakultur“ Ostasiens gemein hatten:

Statt ca. 25.000 Junggarnelen werden in der intensiven Zucht über 200.000 Tiere pro Hektar eingebracht. Der Einsatz von Kraftfutter, Pestiziden und Antibiotika wurde notwendig1. Bei einem so dichten Besatz muss auch das Wasser in den Becken permanent durch Pumpen ausgetauscht werden. In vielen Gegenden sinkt dadurch der Süßwasserspiegel ab, Brunnen und Äcker versalzen2. Garnelen und andere bei uns begehrte Zuchtspeisefische vertilgen selbst riesige Eiweißmengen. Um ein Kilo Garnelen zu produziere, werden drei bis vier Kilo Fischmehl oder gleichwertiges pflanzliches Eiweiß benötigt. „Die Zucht von Meeresfischen ist ein Proteinnettoverlust", sagt selbst Robin Welcome von der FAO.3



Über 90% der industriell gezüchteten Shrimps werden gegen Devisen in die reichen Industrienationen exportiert4, deren Konsumenten durch intensive Werbung Appetit auf das einstige Luxusprodukt gemacht wurde. Oft knüpfen internationale Förderer die Geldvergabe für Aquakulturen an die Bedingung, dass nur hochwertige Arten wie Shrimps gezüchtet werden, obwohl anspruchslosere Fische oft geeigneter wären5. Den Menschen, die einst von der „Blauen Revolution“ profitieren sollten, wurde hingegen die Lebensgrundlage entzogen. Früher garantierte ihnen Fischfang und die Nutzung der öffentlich zugänglichen Mangrovenwälder einen bescheiden Lebensunterhalt. Heute besteht die Küste aus privaten Industriebetrieben, zu denen sie keinen Zutritt haben und an deren Gewinnen sie nicht beteiligt werden. Ein Fischer auf den Philippinen kommentierte:

„Die Garnelen leben besser als wir. Sie haben Elektrizität, wir nicht. Sie haben sauberes Wasser, wir nicht. Sie haben Mengen von Nahrung, wir hungern.“ 6



1    "Shrimps", vom Luxusartikel zum Massenprodukt, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen 2002
2    Gertrud Falk "Verheerende Delikatessen", Herne 2000
3    Die blaue Revolution" Greenpeace Magazin 2/1997
4    Shrimps", vom Luxusartikel zum Massenprodukt, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen 2002
5    "Die blaue Revolution" Greenpeace Magazin 2/1997
6    zitiert nach ISA-net (International Shrimps Action Network) 2000


gegen

Top






Mit IWF und Weltbank blauäugig in die Schuldenfalle

Das Beispiel Ecuador


Von Dr. Jürgen Stahn



Aufzucht und Export von Garnelen gehören, neben zahlreichen anderen neuen Produktionssektoren, wie Schnittblumen, Eukalyptus und Teakholz, zum Instrumentarium des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Dessen Anwendung werden mit Nachdruck zahlreichen Regierungen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas empfohlen, um traditionelle Exporte zu ergänzen oder zu ersetzen, Devisen zu erbringen und damit die Verschuldung abzubauen. In den Teilen der Welt, in denen natürliche Reichtümer wie Wasser, Luft, fruchtbare Böden und Wälder scheinbar unbegrenzt zur Verfügung stehen, sollen unter Ausnutzung dieser Reichtümer und der vorhandenen billigen Arbeitskräfte Konsumgüter hergestellt werden, die in den nördlichen Industrieländern begehrt sind und den Massenkonsum befriedigen. Shrimps gibt es bei Nahrungsmittel-Discountern das ganze Jahr über tiefgefroren und immer billiger.

Die internationalen Finanzinstitutionen fördern bewusst ökonomische Sektoren die auf Ausbeutung von Mensch und Natur beruhen. Ihre Entwicklungsstrategien sind zwangsläufig kurz- oder bestenfalls mittelfristig angelegt. Zucht und Export von Garnelen sind ein drastisches Beispiel hierfür. Die meisten Regierungen wenden die vorgegebenen Strategien kritik- und vorbehaltlos an. Sie unterwerfen sich nicht nur den internationalen Finanzinstitutionen, sie bedienen gleichzeitig die nationalen Eliten und transnationale Unternehmen, die auf Grund der günstigen Produktionsbedingungen satte Gewinne mitnehmen. Die Garnelenindustrie Ecuadors wird von der Corporación Andina de Fomento/CAF (Andinische Entwicklungsgesellschaft), von der Interamerikanischen Entwicklungsbank BID und von der Weltbank in enger Zusammenarbeit mit der Regierung massiv gefördert. Die Unternehmen erhalten billige Kredite, Subventionen und bei Bedarf auch Schuldenerlass, alles, um die Produktion zu steigern. Damit werden ökonomisches Wachstum erzeugt, Devisen erwirtschaftet und eine umfangreiche nationale und internationale Klientel bedient.

ecuadorDoch der Reichtum wird exportiert, Bevölkerung und Staat verarmen. Nicht von ungefähr musste Ecuador in den vergangenen Jahren immer neue Schulden aufnehmen. Diese fatale Spirale führte zu schärferen Auflagen des IWF. Das Land wurde „zum Export verdammt“, um Zinsen und Tilgungsraten bezahlen zu können. Gleichzeitig genehmigte sich die Oligarchie des Landes zahlreiche fiskalische Vorteile „zur Förderung des produktiven Sektors“.

Die Plünderung der öffentlichen Haushalte hatte einschneidende Kürzungen bei sozialen Investitionen und Leistungen zur Folge und damit eine fortschreitende Verarmung der Bevölkerung. Über Privatisierungsmaßnahmen wird öffentliches Eigentum, einst aus Steuermitteln erworben, verkauft. Die erzielten Erlöse dienen zur kurzfristigen Behebung von Engpässen, die sich aber auf Grund weiter bestehender Steuer- und Zollprivilegien schnell wieder einstellen. Die staatsbürgerlichen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Menschenrechte werden skrupellos dem schnellen Wachstum geopfert. Soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit werden bedeutungslos angesichts der Auflagen von IWF, WB, BID und der bereitwilligen Mitarbeit von Regierung und nationalen Eliten.

Das Jahr 1998 war ein Rekordjahr für die Garnelenindustrie in Ecuador. 155.000 to Shrimps wurden produziert und exportiert, der Gewinn belief sich auf 875 Mio US$. Etwa 80% der Exporte werden durch zwölf Firmen geleistet. Die Exporte ecuadorianischer Garnelen in die Europäische Union machen inzwischen etwa 70% der gesamten Ausfuhren aus und werden durch Zollpräferenzen gefördert. In die USA werden etwa 26%, nach Asien 1,5% exportiert. Die Gewinne verbleiben bei den nationalen Oligarchien oder den ausländischen Investoren. Das Freihandelsabkommen mit den USA und andere Abmachungen, Verträge und Auflagen erhöhen den Druck auf die Regierung und damit auch auf die Industrie, ihre Konkurrenzfähigkeit ständig zu verbessern und damit Menschen und Natur noch rücksichtloser auszubeuten. Ohne Einschränkung lässt sich feststellen, dass die Garnelenindustrie Bestandteil dieses ökonomischen Modells ist, das auf Ausschluss und Zerstörung beruht:

Ausschluss vieler Menschen von ihrer traditionellen Lebensgrundlage, Zerstörung sozialer Strukturen und natürlicher Reichtümer. Das Leben in weiten Küstenbereichen zahlreicher Länder wird empfindlich gestört. In einer Studie der Welternährungsorganisation FAO wird nachgewiesen, dass es heute weltweit noch etwa 15 Millionen Hektar Mangrovenwälder gibt. In den letzten 25 Jahren wurden bereits 20% des ursprünglichen Bestandes vernichtet. In Ecuador wurden Greenpeace-Untersuchungen zufolge bereits 57% zerstört. Gesetze schützen die Wälder. Der Erfindungsreichtum von Garnelenzüchtern und Behörden kennt jedoch keine Grenzen, wenn gesetzliche Auflagen und Kontrollen umgangen werden sollen. Die industrielle Garnelenproduktion und ihr Export von Shrimps beraubt die arme Bevölkerung proteinhaltiger Nahrungsmittel und allgemein ihrer Lebensgrundlagen.

Die „blaue Revolution“ sollte über Aquakulturen, wie Jahrzehnte zuvor die „grüne Revolution“ über eine „modernisierte“ Landwirtschaft, zahlreiche Probleme in Ländern des Südens auf ein Mal lösen. Die UNO selbst gab in ihren Milleniumszielen die Halbierung der hungernden Erdbevölkerung bis zum Jahr 2015 aus, die mit ihrer Initiative ins Leben gerufenen Finanzinstitutionen wie IWF und WB fördern Strategien, die ihrerseits Hunger, Unterernährung und schlechte Ernährung zur Folge haben. Die Entwicklungsorganisation der UNO, PNUD und die Autoren des „human development index“(hdi), räumen ein, dass diese Art der Investitionen keinen Beitrag zur Überwindung der Armut geleistet haben.

Die langfristigen sozialen, ökologischen und auch ökonomischen Folgen sind längst sichtbar. Die „Hunde bellen“, die Betroffenen protestieren, die Karawane der Profiteure zieht weiter.


1    „Certificando la destrucción“ C-Condem, Ecuador 2005, Übersetzung N. Berghahn
2    "Ecuador: Mangroven sind Leben" LÌder GÛngora Farias 1999 in Food First 4/99
3    dito    
4    Vortag von Marianeli Torres, Bremen 2001
5    Heiko Thiele und Dorit Siemers, "Der Garnelenring" (Film), Münster 2005
6    Dr. Cristian Tovilla, 2003, im persönlichen Gespräch
   



gegen

Top







Shrimps machen Hunger


Von Martina Möller


Das Menschenrecht auf Nahrung wurde in der Allgemeinen Erklärung über die Menschenrechte von 1948 verankert. Gemeint ist das Recht jedes Menschen auf die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen, also auf Zugang zu produktiven Ressourcen. Im Süden der Welt lebt ein Großteil der Menschen direkt von den natürlichen Ressourcen der traditionellen Lebensräume. Dazu gehört neben dem Ackerbau auch, was die natürlichen Systeme produzieren. Ein Beispiel ist der Mangrovenwald der tropischen Küsten, der seit vielen Generationen die Existenzgrundlage seiner Bewohner bildet. Fischfang, Jagd, Sammeln von Holz, Honig, Heilkräutern oder Muscheln und ihr lokaler Handel, sorgten bisher für ein sehr bescheidenes, aber relativ sicheres Einkommen. Heute ist diese Lebensgrundlage vielerorts durch industrielle Großprojekte gefährdet und die hier beschriebene Entwicklung ist nur ein Beispiel unter vielen.

Die Fangflotten der Industrienationen und immer zahlreichere illegale Fischereiflotten haben die Weltmeere leer gefischt. Das Nachsehen haben die örtlichen Kleinfischer. Der Verlust an hochwertiger, eiweißreicher Nahrung ist vor allem für die Küstenbevölkerung in den ärmeren Ländern des Südens ein ernstes Problem. Diese Menschen können es sich nicht leisten, einfach Fleisch zu kaufen, sondern sind auf die tradierte Form der Subsistenzwirschaft angewiesen. Shrimps-Aquakulturen, entlang der tropischen Küsten, sollten ursprünglich helfen, den Proteinbedarf einer wachsenden Bevölkerung zu decken: „Eine Lösung für das Welthungerproblem“ äußerte die FAO begeistert über die international geförderte Initiative. Etwa 30 Jahre nach dem Aufbau der Shrimpsindustrie ist die Bilanz jedoch niederschmetternd.

Privatunternehmer, die überwiegend nicht aus den betroffenen Gebieten stammen, ließen den ursprünglichen Mangrovenwald abholzen, und errichteten Riesenfarmen, die sich durch kilometerlange Zäune und Dämme gegen die Anwohner schützen. Der Bevölkerung wird dadurch der Zugang zu Fanggründen und Wasserquellen genommen. Traditionell öffentlich nutzbares Land wird in Privatbesitz umgewandelt. „Eine Farm mittlerer Größe beschäftigt 15 Arbeiter, 50 Sicherheitskräfte, vertreibt 50.000 Menschen aus ihrem angestammten Lebensraum und ruiniert den traditionellen Fischfang“ zieht Vandana Shiva für die indischen Küsten Bilanz. Anstelle der traditionellen Dorfgemeinschaften profitiert nur noch eine kleine Handvoll Menschen.

Da die Shrimpsfarmen Gewässer und Böden mit Chemikalien kontaminieren, ist das Land selbst nach dem Abzug einer Farm für lange Zeit unbrauchbar. So gehen immer mehr Flächen, die für den Anbau von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung unverzichtbar sind, verloren. Gesundheit und Ernährungssituation der Bevölkerung haben sich in den betroffenen Gebieten seither drastisch verschlechtert. Produziert wird dort ein Nahrungsmittel, für das pro Kilo 3-4 Kilo Fisch verfüttert werden. Ein weiterer Verlust an Protein. „Wir füttern die Überfütterten.“ klagt Tom Kocherry, Pfarrer einer indischen Fischergemeinde. Denn auch die so gezüchteten Delikatessen landen nicht auf den Tellern derer, die sie so dringend benötigen. Sie werden dorthin exportiert, wo die Menschen am meisten für sie bezahlen: In die reichen Industrienationen des Nordens. Die traditionelle Lebensweise der Bevölkerung in den Ländern des Südens, die Gesetzeslage, Ausmaß der Zerstörungen durch die Shrimpsindustrie, all dies variiert von Land zu Land. Aber es gibt eine Konstante: In allen Gebieten, in denen tropische Zuchtshrimps in großflächigen Farmen produziert werden, haben Armut, Krankheiten, Korruption und Gewalt zugenommen. Die Ernährung hat sich drastisch verschlechtert, wertvolle Ökosysteme und nachwachsende Ressourcen wurden vernichtet und den Menschen ihr verbrieftes Recht, sich zu ernähren, verwehrt.


„Those who are eating shrimps in the world, they are eating the blood, sweat and livelihood of the poor people in the Third World.“ Banka Behary, Fischer aus Bangladesh


1    www.ejfoundation.org Human Rights Abuses -Brazil
2    www.ejfoundation.org:“Farming the Sea- unregulated shrimps farming, the environmemt and people.
3    Isabel de la Torre. „Prawn to Trade, Prawn to Consume“ zitiert in Food First 4/99, FIAN 1999
4    Wolfgang Sachs: "÷kologie und Menschenrechte. Welche Globalisierung ist zukunftsf‰hig?" Wuppertal Papers 2003


gegen

Top







Hunger durch Arbeitsplätze



Von Natalie Berghahn





„Bislang verdient man mit Muschelnsammeln in weniger Stunden mehr, als wenn man für die Shrimpsfarmen arbeitet. Wenn man als Wachmann arbeitet, arbeitet man den ganzen Tag, 24 Stunden, sie zahlen nicht den Mindestlohn, keine Versicherungen oder andere Sozialleistungen. Manchmal stellen sie einen kurzfristig zum Mangrovenfällen ein. Weil das illegal ist, wird das nachts gemacht, zwischen 18 Uhr und Mitternacht. Am nächsten Tag weiß niemand was. In den Verpackungsfabriken arbeitet man während der dreimonatigen Saison vier bis sieben Tage die Woche. Man arbeitet in Räumen, in denen Gefriertemperaturen herrschen, im Stehen köpft man Garnelen von 7 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts. Wenn nicht genug Personal da ist, auch bis 2 Uhr morgens .Zwischendurch isst man schnell ein paar Garnelen mit Kochbananen, ebenfalls im Stehen...“Aussage eines Bewohners der Fischerdorfs Tambillo; Provinz Esmeraldas, Ecuador1

Die meisten shrimpsexportierenden Länder sind hochverschuldet. Hunger und Arbeitslosigkeit sind in ihren Gesellschaften überwältigende Probleme. Das macht eine exportorientierte Industrie, die Arbeitsplätze und Devisen verspricht, interessant. Doch die Shrimpszucht schafft kaum Arbeitsplätze. Eine Shrimpsfarm von 200 bis 500 Hektar Größe schafft ca. fünf ganzjährige und (zur Ernte) fünf saisonale Arbeitsplätze2. Dagegen kann ein Hektar intakten Mangrovenwaldes zehn Familien Einkommen geben3. Sie fischen und sammeln Muscheln, Schalentiere, Holz, Honig und Heilkräuter. Das ernährt die Menschen, ziert jedoch keine Exportbilanz, und zählt somit nicht bei der Bewertung des Landes, zum Beispiel durch den Internationalen Währungsfond.

hunger


Arbeitsplätze in nennenswerter Zahl schafft nur die Verpackungsindustrie. Die Arbeitsbedingungen sind oft erbärmlich. Auch hier werden fast nur Saisonkräfte ohne Festverträge eingestellt, in Ecuador liegt der Stundenlohn einer Arbeiterin, die 18 bis 20 Stunden am Tag in einer gekühlten Halle stehen muss und zum Schutz der Ware mit Chemikalien besprüht wird, bei 25 US Cent.4 Ehemalige Angestellte einer großen Anlage in Honduras berichten von fehlenden Arbeiterrechten, sexueller Belästigung und unberechtigten Kündigungen.5

Und selbst diese prekären Arbeitsplätze stehen den Menschen nur solange zur Verfügung, wie die Shrimpsfarmen bestehen. Meist ist der Boden nach wenigen Jahren Aquakultur so verseucht, dass die Züchter nach neuen Flächen suchen. Den Bewohnern bleibt dann oft nur, die verwüstete Gegend zu verlassen und in den Armutsgürtel der Großstädte zu ziehen.

Eine echte Armutsbekämpfung wäre eine nachhaltige Nutzung der Mangroven. Ideen und Projekte gibt es bei den Bewohnern viele: Von der Muschelzucht (für die kein Mangrovenwald abgeholzt werden muss) bis zum sanften Tourismus. Manches klingt für europäische Ohren überraschend: In Chiapas/Mexiko züchten Dorfgemeinschaften Leguane in einer Art Wildgehege: Als leckere Braten! Proteinspender, die der globale Supermarkt verschmäht.6

1    „Certificando la destrucción“ C-Condem, Ecuador 2005, Übersetzung N. Berghahn
2    "Ecuador: Mangroven sind Leben" LÌder GÛngora Farias 1999 in Food First 4/99
3    dito
4    Vortag von Marianeli Torres, Bremen 2001
5    Heiko Thiele und Dorit Siemers, "Der Garnelenring" (Film), Münster 2005
6    Dr. Cristian Tovilla, 2003, im persönlichen Gespröch



gegen

Top






Menschenrechte
– im Zuchtbecken versenkt!


Von Natalie Berghahn

Im September 2004 wurden in Brasilien in der Nähe von Aracau, an der Atlantikküste sechs Kleinfischer, unter ihnen auch Kinder, niedergeschossen und verletzt. Die Angreifer waren dem Vernehmen nach von der Shrimpsfarm „Joli Aquicultura“ in Curral Velho angeheuert worden. Vorangegangen waren Auseinandersetzungen, in denen Anwohner Farmbeschäftigten vorwarfen, die Grenzen der Farm illegal in einen Mangrovenwald auszuweiten, in dem Gemeindemitglieder fischen und ihre Boote liegen haben. Obwohl es angeblich eine Einigung mit den Farmbetreibern gab, wurden noch am selben Tag zwei weitere Fischer erschossen. Kurz danach wurden drei maskierte Polizisten außer Dienst festgenommen, auf dem Gelände der Farm wurde ein Waffenlager entdeckt.1 Kein Einzelfall: Aus mindestens elf Ländern berichtet die britische Environmental Justice Foundation von Morden im Zusammenhang mit Shrimpsaquakulturen2.

Die Farmen liegen fast immer in Gebieten mit hoher Armut. Sie verbessern die ökonomische Lage der Bevölkerung jedoch nicht, sondern führen zu sozialen Konflikten. Fast die Hälfte des Personals einer Shrimpsfarm sind deshalb Wachmänner, die verhindern sollen, dass die kostbaren Tiere oder Anlageteile aus den Becken gestohlen werden. Gleichzeitig unterbinden sie damit aber oft den Durchgang der Anwohner zur Küste, was immer wieder zu Auseinandersetzungen mit dem Sicherheitspersonal führt. Häufig bleibt es bei Drohungen und Einschüchterungen, aber immer wieder gibt es Tote und Verletzte. Viele dieser Straftaten kommen nie vor Gericht oder werden dort wie Privatstreitigkeiten behandelt. Die Korruption in vielen Shrimpserzeugerländern, die extreme Armut und mangelnde Bildung vieler Betroffenen leisten dem Vorschub.

riverInzwischen wehren sich viele Gemeinden, wenn in ihrem Gebiet neue Farmen angelegt werden sollen, nicht immer gehen dieses Auseinandersetzungen gewaltfrei ab. Besonders dramatisch war 1997 der Fall um eine Landnahme für Shrimpsfarmen in Bangladesh, bei dem über hundert Menschen ihr Leben verloren.3

Neben den individuellen Menschenrechten auf Leben, Würde, körperliche Unversehrtheit, Meinungs- und Versammlungsfreiheit usw. existieren seit 1976 die sozialen Menschenrechte. Fast alle Staaten der Erde haben den „Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte“ unterzeichnet, in dem auch das Recht sich zu ernähren garantiert wird. Dafür brauchen Menschen eine bezahlte Arbeit oder den Zugang zu primären Ressourcen wie Land oder Fischgründen. Sowohl Shrimpsfarmen als auch die Industriefischerei zerstören und privatisieren de facto einst jedem Bürger zugängliche Lebensräume wie Mangrovenwälder und Fischgründe, ohne ihnen irgendeine Alternative zur Verfügung zu stellen. Hunger, mangelnde Bildung und schlechte Gesundheitsvorsorge sind die Folge.

Vor dem Hintergrund der Menschenrechte ein illegaler Zustand, der von der Weltöffentlichkeit nicht hingenommen werden sollte, denn:

„Weder staatliche Machtspiele noch wirtschaftlicher Wettkampf, sondern die Verwirklichung der Menschenrechte sollte – neben der Achtsamkeit gegenüber der Biosphäre – der aufziehende Weltgesellschaft ihr Gesicht geben.“ Wolfgang Sachs4



1    www.ejfoundation.org Human Rights Abuses -Brazil
2    www.ejfoundation.org:"Farming the Sea- unregulated shrimps farming, the environmemt and people.
3    Isabel de la Torre. „Prawn to Trade, Prawn to Consume“ zitiert in Food First 4/99, FIAN 1999      
4    Wolfgang Sachs: "Ökologie und Menschenrechte. Welche Globalisierung ist zukunftsfühig?" Wuppertal Papers 2003


gegen

Top





Die Situation von Frauen
Das Beispiel Ecuador


Von Dr. Jürgen Stahn



frauIn zahlreichen Ländern, Afrikas, Asiens und Lateinamerikas haben neue Industriezweige, die sich vor allem auf die Ausbeutung natürlicher Reichtümer des Landes stützen, das ursprüngliche Leben dörflicher Gemeinschaften einschneidend verändert. Die Produktion von Nahrungsmitteln, Schnittblumen und Textilien gehören ebenso dazu, wie gigantische Staudammbauten und Massentourismus. So auch in Ecuador, wo in den letzten Jahrzehnten eine Garnelenindustrie entstand, um die wachsende Nachfrage nach dieser „Delikatesse“ in den Industrieländern befriedigen zu können.

Schon als die ursprüngliche Flora und Fauna und die herkömmlichen Sozialstrukturen noch bestanden, lastete die schwerste Arbeit auf den Frauen. Sie holten Wasser, sammelten Muscheln, Holz, Schalen- und andere Meerestiere, am Strand und in den Mangrovenwäldern. Damit deckten sie hauptsächlich den Eigenbedarf der Familien. Überschüsse gingen zum Verkauf auf die lokalen Märkten. So leisteten sie einen erheblichen Beitrag zur regionalen Wirtschaft.

Nach dem Eindringen der Garnelenindustrie brachen mit den ökologischen Systemen auch die sozialen und mikro-ökonomischen zusammen. Die Frauen und mit ihnen die Familien, verloren in rascher Folge ihre früheren Lebensgrundlagen. Das Sammeln wurden erschwert oder unmöglich gemacht, da die neuen Garnelenfarmen alte Zugänge und Wege zu den lebenswichtigen natürlichen Ressourcen versperrten oder sie gänzlich zerstört haben. In der Folge wurden die Frauen aus ihren bisherigen Lebenszusammenhängen herausgelöst und vor ganz neue Herausforderungen gestellt.

Regionalen Untersuchungen zu Folge verließen zahlreiche Familien ihre Heimat und versuchten sich in anderen Ländern, vor allem in den USA, eine neue Existenzgrundlage zu schaffen. Laut Schätzungen leben gegenwärtig etwa zweieinhalb Millionen EcuadorianerInnen im Ausland, davon fast die Hälfte Frauen. Die meisten von ihnen verrichten wenig qualifizierte und schlecht bezahlte Arbeiten.

Die, die blieben, sind als Arbeiterinnen in den Verpackungsfirmen angestellt. Die Garnelenindustrie bietet nur temporäre Arbeitsplätze mit prekären Arbeitsbedingungen. Arbeit haben sie nur während der „Garnelenernte“, wenn die Schalentiere aus den großen Becken geholt, verarbeitet und verpackt werden. Die Arbeitszeit beträgt dann 14 Stunden und mehr. Die Frauen stehen die ganze Zeit am Fliessband und entfernen die Köpfe der Garnelen. Die Arbeit ist ungesund und eintönig. Die Arbeiterinnen sind zudem dauernd in Kontakt mit chemischen Produkten, die im Produktionsprozess eingesetzt werden. Ein von „Redmanglar“, einer Organisation zum Schutz der Mangrovenwälder und ihrer Gemeinschaften, befragter Bewohner der Region, bemerkt dazu: “Auch wenn wir heute weniger Muscheln finden, so ziehen wir doch das Sammeln der Arbeit in der Garnelenindustrie vor. Wir müssen dann nicht den ganzen Tag und mit festen Zeiten arbeiten. Wenn man eine Anstellung als Wächter hat, muss man den ganzen Tag von früh morgens bis in die Nacht arbeiten. Dann erhält man einen Monatslohn von 100 US$, wenn man Glück hat oder auch ein bisschen mehr. Man muss auch vor Ort wohnen“.

Kurzfristiger Bedarf an Arbeitskräften wird gedeckt durch ArbeiterInnen, die für die Garnelenindustrie in Städten angeworben wurden.

Die globalisierungskritische Soziologin Christa Wichterich fasst die Merkmale für die besondere Situation der Frauen in einer Studie des Wuppertaler Institutes aus dem Jahr 2004 („Überlebenssicherung, Gender und Globalisierung) zusammen: “Feministische Globalisierungskritik wird hier entlang zweier Achsen entfaltet, nämlich Frauenarbeit und Sicherung von Überlebensgrundlagen (livelihood). Beide geraten durch Liberalisierungspolitiken, Privatisierung und die fortschreitende Kommerzialisierung aller Ressourcen und Lebensbereiche zunehmend unter Druck. Arme Frauen und andere Ressourcen-, Einkommens- und Machtarme verlieren ihre Nutzungsrechte an den Überlebensressourcen Land, Wasser, Biodiversität und Saatgut und ihre Zugangsrechte zu sozialer Grundversorgung.“ Frauenarbeit im Bereich von Versorgung, Reproduktion und Subsistenz werde allgemein, insbesondere aber im Kontext der Armut, als nicht wertschöpfend abgewertet. Der ständige Kampf um Produktivitätssteigerungen und Standortvorteile in der globalisierten Wirtschaft werde zu einem erheblichen Teil auf dem Rücken von Frauen ausgetragen.

Genau das gilt für die Frauen, die heute weltweit in den Verpackungsbetrieben der Garnelenindustrie arbeiten. Die Frauen haben die größten Nachteile von dem drastischen Wechsel der sozialen und ökonomischen Strukturen stellt eine ecuadorianische Studie zur nachhaltigen menschlichen Entwicklung fest. Sie müssen mit den Bedingungen der ausschließlich wachstums- und exportorientierten Garnelenindustrie zurechtkommen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen müssen sie zu den Verlierern dieses „Entwicklungsmodells“ gezählt werden.


gegen

Top






Mangroven – Kinderstuben der tropischen Meere

Die Mangroven zählen neben den tropischen Regenwäldern und Korallenriffen zu den produktivsten
Ökosystemen der Welt und bieten unzähligen Tieren einen einzigartigen Lebensraum.

Von Heike Zidowitz




gnda


Im Wechselspiel von Ebbe und Flut, Meerwasser und Süßwasser hat sich in Jahrmillionen ein komplexes Gefüge an den tropisch-subtropischen Küsten der Weltmeere gebildet. Mangroven sind eine produktive Artengemeinschaft von hoch spezialisierten Lebewesen an der Grenze zwischen Meer und Land – ein Dschungel mit den Füßen im Wasser.

Mangroven sind der Lebensbereich von Algen, Schnecken, Muscheln, Fischen, Vögeln, Krebsen, Insekten und anderen Kleinlebewesen, die im Gezeitenwald Schutz vor Räubern, Nahrung und einen geeigneten Ort zur Fortpflanzung finden. Als natürliche Befestigung der Küste fangen sie Schwebstoffe und wirken als Erosions- und Flutschutz für das dahinter liegende Land.

Eine besondere Rolle fällt den Mangroven jedoch durch die Funktion der Kinderstube vieler Meerestiere zu. Für 75% der tropischen Meereslebewesen sind Mangroven die Kinderstuben, der Ort ihrer Fortpflanzung. D.h. hier werden die Jungtiere im Schutze des Magrovenwurzelgeflechts in den flachen Gewässern geboren und wachsen dort auf, bevor sie häufig als Ausgewachsene die nahen Küstengebiete verlassen. Schätzungen zufolge wachsen rund zwei Drittel aller im Meer lebenden Fischarten im Schutz der Mangroven auf, die Kinderstube für Schnapper, Kardinalfische, Seepferdchen, Feilenfische, Wächtergrundeln, Schleimfische, Heringe und die Jungtiere der Haie, Barrakudas und viele mehr ist. In den nährstoffreichen und artenreichen Flachwasserzonen finden sie eine reichhaltige Nahrungsgrundlage für ihre Jugendzeit vor. Räuber wie z.B. Haie, die auch hier selbst noch zur Beute werden können, können sich gut vor größeren Artgenossen verstecken und tragen durch ihre Anwesenheit zur Gesundheit der Lebensgemeinschaft bei. Kranke und verletzte Tiere werden entfernt, dominante Arten kurz gehalten. Fällt diese Regulierung der Räuber weg, so konnte man unlängst beobachten, steigen Bestände dominanter, wenig spezialisierter Nahrungskonkurrenten in der darunter liegenden Stufe der Nahrungspyramide an und verdrängen konkurrierende Arten. Die Folge ist eine Verarmung der Artenvielfalt – ein eingependeltes Gleichgewicht gerät aus der Bahn mit weiteren ökologischen Folgen.

Herkömmlich leben die Bewohner der Küste von der Fischerei und sind deshalb auch indirekt von den Mangroven als Brutstätte für viele Fische, Weichtiere und Krebstiere abhängig.

Bei großflächiger Umwandlung von Mangrovenwäldern für Reis- und Kokospalmenplantagen, als Bauland oder für die Shrimps-Zucht geht diese Lebensgrundlage verloren. Überall dort, wo Mangrovenwälder großflächig abgeholzt wurden, gingen die Erträge der Küstenfischerei drastisch zurück, da sich eine große Zahl wirtschaftlich wichtiger Fischarten dort fortpflanzt. Ohne die natürliche Kinderstube Mangrovenwald wird nicht nur den Fischen, sondern auch der Küstenbevölkerung, die Lebensgrundlage entzogen.


gegen

Top





Der Ausverkauf der Mangroven


Von Dr. Onno Groß




Die tropischen und subtropischen Mangrovenwälder sind ein einzigartiges
Ökosystem im Übergangsbereich zwischen Wasser und Land. Doch mehr als die Hälfte der weltweiten Mangrovengebiete wurden bereits zerstört. Heute nimmt die Mangrove mit 170.000 qkm noch ca. 1% der gesamten tropischen Waldfläche ein. Nur ein Schutz der verbliebenen Wälder und ein Umdenken im Küstenzonenmanagement kann den baldigen Ausverkauf der Mangroven stoppen.

mangroovesIndonesien, Nigeria und Australien haben von insgesamt 117 Ländern heute noch die größten intakten Mangrovengebiete. Insgesamt beherbergen diese Wälder 193 Pflanzen-, 397 Fisch-, 259 Krebs-, 256 Mollusken-, 450 Insektenarten und mehr als 250 andere Tierspezies. Die hochproduktiven Ökosysteme haben große Bedeutung für die Küstenmorphologie. So schwächen sie die Erosion ab und tragen zur verstärkten Sedimentation bei. Auch die Auswirkungen von Stürmen, die die tropischen Küstengebiete immer wieder heimsuchen, werden von den Wäldern gemindert. Zudem bildet der organische Abfall aus den Mangrovenwäldern die Basis für die Nahrungskette in den angrenzenden Gewässern.

Trotz dieser Vorteile werden die Mangroven tagtäglich abgeholzt. Die Ursachen liegen zu einem großen Teil darin, dass die ökologische und ökonomische Bedeutung dieser Gebiete unterschätzt wird und sie wie nutzloses Brachland behandelt werden. Besonders nachteilige Auswirkungen auf die Mangroven hat das Anlegen von Garnelen- und Fischteichen, da für das Ausbaggern große Flächen abgeholzt und der Boden eingeebnet werden. Dadurch kommt es zu Veränderungen in den Strömungsverhältnissen sowie häufig zur Grundwasserabsenkung. Über-düngung und andere Praktiken führen zur Verschlechterung der Wasserqualität, Absenkung des Sauerstoffgehalts, Toxifikation und zum Tod der Mangroven.

Für die zunehmende Küstenbevölkerung sind die Mangrovenwälder als Schutz-, Lebens- und Wirtschaftsraum von unschätzbarem Wert. Unbedingt gilt es daher die “shifting aquaculture” - unbrauchbar gewordenen Teiche werden schon nach drei bis sieben Jahren aufgegeben und durch neue ersetzt – sofort zu verbieten. Auch die Praxis, dass auswärtige Betreiber die Fisch- und Garnelenzucht in den Küstengebieten einführen und sie mit billigen Arbeitskräften durchführen, verhindert ein nachhaltiges, lokal gesteuertes Management. Die abnehmenden Fischereierträge in den Küstenmeeren zwingt die Länder immer mehr zur Aquakultur. Aber nur durch das Einhalten von umwelt- und sozialverträglichen Standards kann diese Nahrungsquelle erfolgreich erschlossen werden.

Quellen:
•     V. P. Upadhya, Rajiv Ranjan and J. S. Singh Human–mangrove conflicts: The way out CURRENT 1328 SCIENCE, VOL. 83, NO. 11, 10 DECEMBER 2002
•    Mangroven-Uhr: Stellenwert, Ursachen ihrer Schädigungen und Möglichkeit ihrer Rehabilitierung, GTZ 2003




gegen

Top





Garnelen entwurzeln Indiens Küsten


Von Dr. Onno Groß


In vielen Länder Asiens hat die Shrimpsindustrie in den letzten Jahrzehnten verbrannte Erde hinterlassen. Ganz besonders deutlich wird dies in Indien, in der der durch die Weltbank eingeführte industrielle Agrarsektor mehr zerstört als bewirkt hat. Und zum Teil sind die schrecklichen Folgen der 2004 Tsunami-Katastrophe ein Ausdruck dieser unverantwortlichen Wirtschaftsweise.

So wurde in Indien der Mangrovenbestand in den letzten drei Jahrzehnten auf weniger als 1/3 der ursprünglichen Fläche reduziert. Zwischen 1963 und 1977, als die Aquakultur-Industrie in Indien gefördert wurde, vernichtete Indien fast 50% seiner Mangroven. In Andhra Pradesh wurden mehr als 50.000 Menschen der dort ansässigen Gemeinden gewaltsam vertrieben, um Platz für die Garnelen-Farmen zu schaffen. Zusätzlich fiel der verbliebene Mangrovenbestand der Hotelindustrie und anderen Industrien zum Opfer, obwohl in der ‘Coastal Regulation Zone’ (CRZ) eine 500-Meter-Pufferzone zum Meer vorgesehen wurde. Umweltschützer, die sich für Mangroven einsetzen, werden nach wie vor politisch ignoriert, so beispielsweise Aktivisten, die bei den berühmten Mangroven von Bhiterkanika in Orissa die Brutplätze der Olive-Ridley-Schildkröten retten wollen.

field

Dementsprechend traf die Flutwelle vom 26. Dezember 2004 auf entwurzelte Küsten ohne intakte Mangrovenwälder und verursachte besonders hohe Opferzahlen: Etwa 35.000 Menschen starben allein im Süden Indiens. Wo die Mangroven noch dicht stehen, wie in Regionen von Tamil Nadu (Pichavaram und Muthupet), hat es dagegen geringere Opferzahlen bzw. wirtschaftliche Verluste gegeben.

Trotz dieser Katastrophe ist in kein Umdenken vorhanden: Erneut werden entlang der Küsten Tausende von Garnelenteiche angelegt. Die Garnelenfarmen machen etwa 152.000 Hektar (20031) aus. Andhra Pradesh besitzt alleine 47% der Teichfläche und stellt 50% der Gesamtproduktion. Entlang der Küsten wird nur eine Art, Penaeus monodon, die Riesen-Tigergarnele in den Brackwasserteichen gezüchtet, was diese Farmen empfindlich für Virusepidemien macht. Die Erträge erreichen vier bis sechsTonnen pro Hektar.

Nach dem Einbruch des Exports durch den Tsunami von ehemals 105.000 Tonnen und 750 Millionen US-Dollar Umsatz (2004) setzt Brackishwater Fish Farmers Development Agency (BFDA) erneut auf Wachstum. Neue Teiche sind derzeit überall im Bau. Dabei werden die sozialen Kosten in ihre Nutzenrechnungen nicht übernommen: Eine Shrimps-Farm durchläuft einen Lebenszyklus von maximal zwei bis fünf Jahren. Danach werden die Teiche aufgegeben. Zurück bleiben Giftabfälle und ein zerstörtes Ökosystem. Ist alles vorbei, beginnt der Kreislauf von neuem - in einem anderen unberührten Küstenabschnitt. Es wird geschätzt, dass Shrimps-Farmen der Wirtschaft etwa fünfmal mehr Verluste zufügen, als sie potentielle Gewinne erwirtschaften.


gegen

Top




Shrimpszucht in Lateinamerika – ein Überblick


Von Martina Möller

kind

Die Länder Lateinamerikas haben viele Charakteristika gemein: Es sind Entwicklungsländer, schwer verschuldet und mit extrem hohen Armutsraten, aber sie teilen auch einzigartige Küstenökosysteme. Sie sind reich an Biodiversität. Mündungsdeltas, Lagunen, Brackwasserzonen, langen Stränden oder Mangroven. Quellen unersetzbarer Güter und Ressourcen, die häufig den einzigen Schutz gegen Naturelemente bieten. Dessen ungeachtet verschwinden diese Landschaften, allen voran die Mangroven, in den letzten Jahrzehnten fast überall in besorgniserregendem Maße.

Die Ursache ist in der Ausbreitung der Shrimpsindustrie auf alle tropischen Küsten Lateinamerikas zu suchen, die besonders in Ecuador, Honduras, Mexiko, Brasilien und Guatemala, aber auch in Kolumbien, El Salvador, Peru, Venezuela, Belize, Panama und Nicaragua viele tausende Hektar Land mit ihren Zuchtbecken besetzt hat. So hat sich beispielsweise in Mexiko die Fläche der mit Shrimpsbecken bedeckten Küstengebiete von 1993 bis 1998 bereits verdoppelt. Die Nutzung des Mangroven-Ökosystems bedeutet für die Industrie extrem niedrige Produktionskosten, denn sie eignet sich ursprünglich öffentlich nutzbares Land an, nutzt die Ressourcen, wie z.B. Wasser, des Ökosystems und muss kaum in die Ausbildung ihrer Arbeitskräfte investieren.

Naturschutz

Neben Land, das traditionell von der Küstenbevölkerung genutzt wird, bedroht die Shrimpsindustrie auch Ökosysteme, die offiziell unter internationalem Schutz stehen. Zu den bekanntesten Fällen zählen der Mesoamerikanische Biologische Korridor (Honduras und Belize), das Mesoamerikanische Barrier Reef (Belize) und der honduranische Golf von Fonseca, bzw. die „Ramsar Site 1000“, ein international anerkanntes Schutzgebiete der Ramsar-Konvention. Praktisch alle diese Farmen entsorgen ihre verseuchten Abwässer ungeklärt in die benachbarten Flussarme. Seit einigen Jahren ist auch das ecuadorianische Naturschutzgebiet Cayapas-Mataje mit den höchsten Mangroven der Welt, von illegaler Abholzung durch Shrimpsfarmen bedroht.

Die Abholzung der Mangroven hat viele Küsten Lateinamerikas destabilisiert, was in 1998 in Honduras und 2005 in Guatemala bereits zu Tragödien führte: Die Verwüstungen der Hurricane „Mitch“ und „Stan“ – und damit auch die Zahl der Toten - waren in den abgeholzten Gebieten um ein Vielfaches höher, als in Zonen mit intaktem Mangrovengürtel. Trotz ihrer Mitschuld am Ausmaß der Tragödie, unterstützte die Weltbank die honduranischen Shrimpsfarmer mit sechs Millionen Dollar Hilfsgeldern für den Wiederaufbau ihrer zerstörten Farmen.

Die Schuldenfalle

Hintergrund der Bemühungen internationaler Finanzinstitutionen ist die Politik der Strukturanpassung, welche Weltbank und IWF den tief verschuldeten Ländern Lateinamerikas verordnet haben. Zwischen 1980 und 1990 hat Lateinamerika 238 Millionen US-Dollar an seine Gläubiger, allen voran die USA abbezahlt – von 442 Dollar Schulden insgesamt (Quelle: C-Condem). Um ihre Zahlungsfähigkeit zu sichern, müssen die Länder ihr Exportvolumen jedoch weiter steigern - ohne Rücksicht auf die sozialen und ökologischen Kosten dieses Vorgehens.1 Zuchtshrimps zählen heute zu den wichtigsten Exportgütern der tropischen Zonen des Kontinents. Daher unterstützen auch die jeweiligen Landesregierungen die Produzenten, indem sie sie von Steuerabgaben im eigenen Land befreit und ihnen staatliche Unterstützung über Subventionen, Schuldenerlass und „weiche“ Kredite zusichert. Die Shrimpszüchter stammen in Lateinamerika überwiegend aus einer einflussreichen Oberschicht, die eng mit der politischen Elite und multinationalen Konzernen verflochten ist und sich ihre Vorteile entsprechend zu sichern weiß – nicht selten unter Umgehung der Landesgesetze.

Fischerei und Aquakultur

Allgemein lässt sich seit der „blaue Revolution“2 in den 70er Jahren in den meisten lateinamerikanischen Ländern eine Steigerung der Produktion im Fischereisektor beobachten; tatsächlich haben viele Länder ihre Produktion zwischen 1989 und 1999 verdoppelt. Gleichzeitig sind die mit Exporten erzielten Gewinne deutlich gesunken, so dass mit einer verdoppelten Exportmenge häufig nur 50-70 % des Gewinns erzielt werden konnten wie zuvor. Die Aquakultur, die Ersatz für die zurückgehenden natürlichen Fischbestände und neue Einkommens- und Nahrungsquellen schaffen sollte, ist in vielen Ländern relativ neuen Datums, verzeichnet aber überall einen leichten bis deutlichen Zuwachs. Salzwassershrimps sind darunter nur eine von vielen Varianten, zeichnen sich aber durch die Besonderheit aus, dass sie fast ausschließlich für den Export bestimmt sind. Die fast überall vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsstudien fielen hier – wenn sie denn durchgeführt werden – meist sehr willkürlich und widersprüchlich aus.

Andere Produkte der Aquakultur, wie z. B. die Tilapia-Zucht in der Dominikanischen Republik werden durchaus auch zur Selbstversorgung der Bevölkerung betrieben. Sie kann in künstlichen Teichen betrieben werden, ist also nicht auf die extrem fragilen Küstenökosysteme angewiesen, nicht dem Druck der Exportsteigerung ausgesetzt und in ihren Auswirkungen nicht mit Shrimpszuchtfarmen zu vergleichen.

Armut und Konflikte

Es braucht keine Naturkatastrophen, um den Menschen aus der Nachbarschaft der Shrimpsfarmen ihre Zukunft zu nehmen. Ohne dass die Fischbestände dadurch entlastet wurden, verursachten die Shrimps-Aquakulturen eine massive Zerstörung der Ökosysteme, die für die Aufrechterhaltung der Biodiversität unerlässlich waren. Die lokalen Gemeinschaften, für die das Ökosystem die Lebensgrundlage bildet, geraten - ähnlich wie in der Nachbarschaft anderer industrieller Großprojekte, allen voran die Erdölförderung - unter einen beständigen Druck, der schließlich zu Verelendung und Vertreibung führt. Migration aufgrund von Umweltzerstörung nimmt in Lateinamerika stetig zu.

Da die Shrimpsindustrie Gebiete privatisiert, die zuvor der Bevölkerung für die Bestreitung ihres Lebensunterhaltes zur Verfügung standen, bleiben Konflikte mit den Farmbetreibern und deren Wachpersonal nicht aus. Das Anzeigen illegaler Vorgehensweisen durch Shrimpsfarmer verspricht meist wenig Erfolg. Korruption und Schikanen haben in vielen Ländern ein Klima von Hilflosigkeit und Angst geschaffen. Wut und Proteste aufgrund nicht mehr zugänglichen Fanggründen und Trinkwasserquellen führen daher häufig zu direkten Auseinandersetzungen verzweifelter Anwohner mit den bewaffneten Wachposten entlang der kilometerlangen Zäune, bei denen es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Verletzten kam. In vielen lateinamerikanischen Ländern haben diese Konflikte bereits einen oder mehrere Tote gekostet: Allein in Honduras verursachte das Wachpersonal der Shrimpsfarmen zwischen 1990 und 1998 den Tod von elf Kleinfischern – und keiner der Täter wurde bis heute bestraft. Momentan zeichnet sich Brasilien durch besonders hohe Gewalt in den Konflikten um die Farmen aus. Für die meisten Länder gilt: Der Privatisierungsprozess begünstigte große Unternehmen und schadet den kleinen Kooperativen, die dem Konkurrenzdruck nicht standhalten.

Die Tatsache, dass es sich bei den Farmbesitzern fast ausnahmslos um Vertreter einer kleinen gesellschaftlichen Elite handelt, verdeutlicht den ungleichen Kampf um Ressourcen, der einen ständig wachsenden Teil der Bevölkerung von jeder Teilhabe ausschließt und an den Rand der Gesellschaft drängt. Für die Bevölkerung der tropischen Küsten bedeutet die Errichtung neuer Zuchtbecken kaum Einkommensquellen, dafür aber weniger Mangroven, weniger Land, weniger Fisch, weniger Trinkwasser und mehr Hunger und unsichere Zukunft.

Lösungsansätze

In Lateinamerika sehen viele Küstengemeinden dem Vorgehen der Shrimpsindustrie nicht mehr tatenlos zu. Kleinfischer und Muschelsammlerinnen haben sich vielerorts zusammengeschlossen und gemeinsame Dachorganisationen gegründet, die wiederum in nationalen und lateinamerikaweiten Netzwerken zusammenarbeiten. Im „Redmanglar“, dem größten lateinamerikanischen Netzwerk für den Schutz der Mangroven und der Bedürfnisse lokaler Gemeinschaften, sind heute Mexiko, Honduras, Guatemala, El Salvador, Kolumbien, Ecuador, Brasilien, Peru, und Venezuela zusammengeschlossen. Der Ansatz dieser Organisationen versteht Umweltschutz, Menschenrechte und Entwicklung als untrennbare Einheit. In einer Vielzahl von Projekten werden Wiederaufforstungsprojekte, aber auch Beratungs- und Schulungsangebote für die Bevölkerung und alternative Ansätze für eine nachhaltige, regionale Entwicklung unter Selbstverwaltung der Gemeinden erarbeitet. Im Fall von Ecuador entstand sogar ein eigener Gesetzesentwurf zum Mangrovenschutz, der zurzeit vom Nationalkongress diskutiert wird. Die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten zur Partizipation an Entscheidungs- und Monitoringprozessen werden in kaum einem Land umgesetzt. Umfragen ergaben allerdings, dass die Mehrheit der Betroffenen die Durchführung von Shrimpszuchtprojekten ablehnt – mit Ausnahme der Personen, die selber mit der Industrie zu tun hatten.3

Der ecuadorianische Dachverband C-Condem: „Das bisherige Wirtschaftsmodell passt sich in den meisten Ländern Lateinamerikas dem Druck und den Anforderungen der internationalen Finanzinstitutionen an. Ausgaben für Gesundheit und Erziehung werden in diesem Rahmen nicht als entwicklungsfördernde soziale Investition betrachtet, sondern als Ausgaben, die der einzelne Staat unter dem Druck dieser internationalen Institutionen so gering wie möglich zu halten sucht. Gewinne, die nicht in die Tilgung der Auslandsschuld gehen, wandern in die Taschen einer finanzstarken und einflussreichen sozialen Oberschicht. All diese Faktoren fördern die Ausbeutung der wirtschaftlichen und natürlichen Ressourcen zugunsten einiger Weniger“.

Die Nachfrage nach industriell gezüchteten Shrimps aus Lateinamerika steigt indessen weiter.


gegen

Top





Länderbeispiel Ecuador

Von Martina Möller




Ecuador ist ein kleines Land mit gerade 13 Millionen Einwohnern, doch es ist auch der größte Shrimpsexporteur Lateinamerikas und – nach Thailand – der zweitgrößte der Welt.

Der Preis dafür ist die drastische Reduzierung des Ökosystems, von dem der überwiegende Teil der Küstenbevölkerung lebte: Ursprünglich bedeckten 362.802 ha Mangroven und verwandte Ökosysteme die Küsten des Landes, im Jahr 2000 sind von dieser ursprünglichen Fläche nur noch 108.000 ha übrig - das entspricht einem Verlust von 70% in nur 30 Jahren.2 Anstelle der wertvollen Ökosysteme bedecken heute 234.359 ha Shrimpszuchtbecken die Küsten des Landes.3

Da das Land, auf dem die Farmen liegen, als „öffentlich nutzbare Fläche“ (tierras de uso público) allen zugänglich sein muss, darf es nicht an Privatleute verkauft werden. Auch die Mangroven, die hier stehen, sind seit 1986 durch die nationale Gesetzgebung ausdrücklich geschützt. Trotz alledem hat außer den Anwohnern der Farmen kaum jemand ein Interesse daran, illegalen Holzeinschlag, Landbesetzung und Kontaminierung anzuzeigen – denn die Entscheidungsträger im Land verdienen kräftig mit: Vier der persönlichen Berater des Ex-Präsidenten Noboa sollen selbst in Shrimpsbecken investiert haben oder auf andere Weise an den Gewinnen beteiligt gewesen sein; zudem fließen Bestechungsgelder für Richter, Ordnungskräfte und lokale Autoritäten in diesem Sektor reichlich. Wer dagegen aufbegehrt und Recht verlangt, muss sich auf Schwierigkeiten, manchmal bis hin zu Überfällen und Morddrohungen gefasst machen. Im Jahr 2001 erkennt die Cámara Nacional de Acuicultura an, dass nur 58.000 ha der bestehenden Shrimpsfarmen nach ecuadorianischem Gesetz legal sind (C-Condem), alle anderen haben die vorgeschriebenen Prüfungsverfahren nicht durchlaufen - und würden sie in vielen Fällen wohl auch gar nicht bestehen.

Traditionelle Nutzergemeinschaften

„Unsere Gebräuche, unser Blick auf die Welt, unsere kulturellen Traditionen, ihre künstlerischen Ausdrucksformen und unser Sinn für sozialen Zusammenhalt; all dies ist in enger Verbindung mit dem Mangrovenwald entstanden. Sein Verschwinden bedroht unser Leben als Ganzes und vernichtet die Zukunft unserer Kultur.“ Fundecol, 10 años por el manglar

Die Bevölkerung der ecuadorianischen Küste besteht hauptsächlich aus traditionellen Gemeinschaften von Sammlern und Kleinfischern, für die der Mangrovenwald nicht nur die Lebensgrundlage, sondern auch die Grundlage ihrer kulturellen Identität darstellt. Rund eine Million Menschen leben dort direkt vom Ökosystem Mangrovenwald. Auch vor dem Aufkommen der Shrimpsindustrie gehörte diese Bevölkerungsgruppe zu den Ärmsten des Landes, zu denen, die man offenbar vergessen hat. Ihre Situation hat sich seither noch verschlimmert, besonders in Bezug auf die Ernährung.

43% der Kinder leiden an Unterernährung und die schlechte Gesundheitsversorgung führt besonders bei ihnen zu einer deutlich erhöhten Sterblichkeitsrate. 70% der Gemeinden haben keine Wasserleitungen und nur 14 % besitzen ein Abwassersystem und in den Gebieten um die Farmen haben viele Krankheiten stark zugenommen.
Die Shrimpsindustrie hat den Gemeinden viele Versprechungen gemacht, von verbesserten wirtschaftlichen Möglichkeiten, über Arbeitsplätze bis hin zu direkter Unterstützung der betroffenen Gemeinden, in der Regel findet aber nichts davon tatsächlich statt.

Seit den 60er Jahren steht Ecuador verstärkt unter dem Druck der Schuldenlast, deren gewaltiges Anwachsen einen Teufelskreis aus Krediten einleitete, an die der IWF Bedingungen knüpfte.
Während 1974 die Schulden noch 16% des Bruttosozialproduktes entsprachen, waren sie 1981 bereits auf 42% angestiegen. Von jedem 100 US-Dollar-Schein, den die Erdölförderung des Landes erwirtschaftete, wanderten 71 Dollar direkt in die Schuldentilgung.

Ebenso wie die Erdölförderung, versprach auch die Shrimpsindustrie in den 80er und 90er Jahren astronomische Gewinne, doch wie jede Massentierhaltung ist auch sie extrem anfällig für Krankheiten: Gleich vier verschiedene Epidemien befielen 1999 nacheinander die Zuchtbecken und verursachten einen Einbruch in der Produktion um 60%. Auch die Zeit arbeitet gegen die Farmen: Bereits nach 5 bis 8 Jahren ist der Boden so mit Chemikalien verseucht, dass die Becken aufgegeben werden müssen und ein Ort für eine neue Anlage gesucht wird. Zurück bleiben als Erbe für die Bevölkerung der Küstengebiete ganze Landschaften versalzener, steriler, unproduktiver Böden. Eine Studie der ecuadorianischen NGO C-Condem stellt nüchtern fest:

„Das Wirtschaftsmodell stützt sich auf die intensive Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die unsere Ökosysteme anbieten; ohne den sozialen und ökologischen Konsequenzen dieser Ausbeutung vorzubeugen, deren Auswirkungen nun sichtbar geworden sind, und ohne eine gerechte Verteilung der Reichtümer zu garantieren“. C-Condem: Certificando la Destrucción, S.173

Doch die Bevölkerung in Ecuador hat begonnen, sich zu wehren. Immer wieder kommt es zu Massenprotesten gegen die Wirtschaftspolitik und das korrupte Vorgehen der Regierungen. An den Küsten haben sich kleine Gruppen von Fischern und Muschelsammlerinnen zusammengetan, um für ihr Überleben zu kämpfen, indem sie verlassene Flächen wiederaufforsten, lokale Kleinprojekte organisieren und sich über ihren Dachverband um die Durchsetzung ihrer Rechte bemühen. Häufig bleibt jedoch nur die Flucht aus dem ländlichen Elend in das – kaum geringere – Elend der großen Städte. Immer mehr versuchen daher, das Land zu verlassen. Ihre Überweisungen sind längst zu einer unverzichtbaren Einkommensquelle für das ausgeplünderte Land geworden.

„Vor zehn Jahren träumte eine Gruppe junger Leute in Muisne von einem großen Volk, frei und würdevoll… Dieser Traum ist bis heute präsent, latent und lebendig, und es gibt Tausende von Menschen im Land, die ihn mit uns teilen.“ Líder Góngora über den beginnenden Widerstand der Küstengemeinschaften gegen die Zerstörung ihres Lebensraumes

Zur Zeit befinden sich etwa eine Million Ecuadorianer im Ausland.


----------------------------------------------------------------------
1    Die Situation in Ecuador kann in ihren Grundzügen als exemplarisch für die meisten lateinamerikanischen Länder gelten, in denen eine Shrimpsindustrie existiert.
2    Quelle: C-Condem, Zahlen aus: Clirsen
3    Quelle: C-Condem, aus: Censo Nacional Agropecuario.

gegen

Top